Nach der Vakuum-Infiltration gilt die Stabilisierung für viele als abgeschlossen. Das Holz ist scheinbar vollständig mit Harz durchdrungen – der nächste Schritt ist oft direkt die Aushärtung.
Genau hier entsteht jedoch einer der häufigsten Qualitätsfehler.
Das Abtropfen überschüssigen Harzes wird oft unterschätzt oder zu kurz durchgeführt. Dabei entscheidet dieser Schritt maßgeblich darüber, ob stabilisiertes Holz spannungsarm, gleichmäßig und dauerhaft stabil bleibt.
In diesem Beitrag erklären wir, warum Abtropfen kein Nebenschritt ist, sondern ein zentraler Bestandteil eines prozesssicheren Stabilisierungsablaufs.
Was nach der Infiltration im Holz passiert
Nach der Infiltration befindet sich Harz nicht nur in den Zellwänden und Kapillaren, sondern auch frei in den Lumina und auf der Oberfläche des Holzes.
Dieses überschüssige Harz trägt nicht zur Stabilisierung bei.
Im Gegenteil: Es erhöht die Reaktionsmasse, verstärkt Exothermie während der Aushärtung und erzeugt unnötige Spannungen im Holz.
Warum überschüssiges Harz Probleme verursacht
Bleibt zu viel freies Harz im Holz oder an der Oberfläche, entstehen mehrere Risiken:
• lokale Überhitzung während der Polymerisation
• innere Spannungen zwischen Holz und Polymer
• Blasen- und Rissbildung
• ungleichmäßige Härteverteilung
Oft zeigen sich diese Defekte nicht sofort, sondern erst beim Drechseln oder im späteren Einsatz.
Abtropfen reduziert Spannungen und Defekte
Durch kontrolliertes Abtropfen wird freies, nicht gebundenes Harz entfernt.
Ein sauberer Abtropfprozess:
• reduziert die Harzmenge auf das funktional notwendige Maß
• senkt die Exothermie während der Aushärtung
• ermöglicht gleichmäßige Vernetzung
• minimiert Riss- und Blasenbildung
Abtropfen ist damit ein aktiver Qualitätsschritt – kein passives Warten.
Warum Geduld hier entscheidend ist
Abtropfen braucht Zeit.
Ein zu früher Übergang in die Aushärtung:
• schließt überschüssiges Harz ein
• verstärkt innere Spannungen
• erhöht die Ausschussquote
Geduld an dieser Stelle spart später Zeit, Material und Ärger.
Abtropfen als Teil des Gesamtprozesses
Wie Vakuum und Aushärtung wirkt auch das Abtropfen nur im Zusammenspiel mit den anderen Prozessschritten.
Erst die Kombination aus:
• geeigneter Holzfeuchte
• kontrollierter Infiltration
• ausreichendem Abtropfen
• und geführter thermischer Aushärtung
führt zu reproduzierbarer Stabilität.
Wird einer dieser Schritte verkürzt oder übersprungen, leidet das Gesamtergebnis.
Fazit
Abtropfen ist kein optionaler Zwischenschritt, sondern ein entscheidender Qualitätsfaktor.
Es reduziert Spannungen, verhindert Defekte und schafft die Grundlage für eine kontrollierte, gleichmäßige Aushärtung.
Im nächsten Teil der Blogserie zeigen wir, warum die stufenweise thermische Aushärtung der letzte, aber entscheidende Schritt für dauerhaft stabiles Holz ist.
